Auch heute noch kann man zur Mittagstunde im Schilf um den Alatsee das Klagen der drei Schwestern hören.
Auch heute noch kann man zur Mittagstunde im Schilf um den Alatsee das Klagen der drei Schwestern hören.

Wo heute der Alatsee bei Füssen ist, lagen früher grüne, saftige Wiesen. Drei Frauen waren die Herrinnen dieser fruchtbaren Gegend, die in einer Burg am Hang wohnten. Solange die drei Frauen sich vertrugen, war alles gut. Eines Tages kam es jedoch zum Streit der drei Schwestern, wer die schönsten Felder und die Burg erben sollte. Die Mittlere verwünschte die beiden anderen: „Die Erde soll euch sofort mitsamt eurem Grund verschlingen!“
 
Sofort ertönte ein lauter Donnerschlag. Es sah aus, als neigten sich die Hügel über dem Tal. Ein Krachen erfüllte die Luft und man glaubte, dass die Welt untergehe. Tannen und Felsblöcke stürzten auf die Burg und der Himmel verdunkelte sich. Aus der Tiefe gurgelten Wasserquellen herauf. Aus den dunklen Wolken am Himmel regnete es in kürzester Zeit so viel, dass wilde Bäche ins Tal schossen. Am Abend dieses Tages war das einst grüne Tal samt der Burg mit einem weiten See ausgefüllt. Auch heute noch hört man die drei Frauen aus dem Seegrund klagen. Lange Zeit hörte man gegen Mittag, zu jener Stunde als der Fluch ausgesprochen wurde, eine Stimme rufen: „Dreien hat’s g’hört, jeder hat’s g’wöllt, koina hat’s kriagt, schenk du mir dei Liab!“
 
Alle Versuche, die drei Schwestern aus dem Alatsee zu befreien, schlugen fehl. Einmal kamen drei Brüder aus dem Rheingau auf ihrer Rückreise aus dem Heiligen Land am Alatsee vorbei und waren müde von ihrer Reise. Ihre Pferde spitzen plötzlich ihre Ohren und eilten mitsamt ihren Reitern auf den See zu. Die drei Schwestern hatten sie gerufen. Nur mit größer Mühe konnte die Kreuzfahrer ihre Pferde vom Sprung in den See abhalten. Da hörten sie plötzlich ein Klageleid aus dem See. Als ein Fischer vom Alatsee den Rittern die Geschichte von den drei unglücklichen Schwestern im See erzählte, dankten sie Gott, dass sie noch einmal gerettet wurden.

 

Text und Bilder: Klaus Wankmiller