Honsolgen von Westen
Honsolgen von Westen

Zwischen Buchloe und Honsolgen liegt das "Buechler Holz"; dort haust das Holzmetzgerle. Wer hier zur Nachtzeit durch den Wald geht und bald näher, bald ferner "Hoiho, hoiho!" rufen hört, der weiß, dass das Holzmetzgerle wieder herumgeistert. Er weiß auch, was ihm bevorsteht: das Holzmetzgerle setzt sich auf seinen Rücken und lässt sich durch den Wald tragen.

 
Dieses Schicksal traf regelmäßig den alten Bauern von Honsolgen, wenn er am Sonntag spät in der Nacht vom Wirt in Buchloe heimkehrte. Hatte er den Wald betreten, so fühlte er bald die vom Wirtshaus mitgebrachte Last verdoppelt. Und in sein Schicksal ergeben pflegte er dann zu sagen: "So, hocksch scho meah (= wieder) dob!" In Schweiß gebadet kam er jedesmal zu Hause an.
 

Einmal ging eine Schar Honsolger Buben zusammen nach Hausen auf einem Umweg durch den Buchloer Wald. Kaum als sie zwischen den Bäumen gingen, flog bald dem einen, bald dem andern ein Tannenzapfen an den Kopf. So sehr sie auch nach allen Seiten Ausschau hielten, sie konnten den Täter nicht finden. Als der Spuk nicht aufhörte, beschlossen sie, gezielt den Übeltäter zu suchen und ihm den Schabernack gründlich heimzuzahlen. Doch nun flogen die Tannenzapfen noch zahlreicher und kräftiger und trafen empfindlich auf Stirn und Nase. Je mehr die Honsolger wutentbrannt vorwärtsstürmten, desto dichter flogen die Tannenzapfen, bis schließlich ein höhnisches „Hoiho!" den Übeltäter offenbarte. "S` Holzmetzgerle!" riefen alle Gehänselten aus einem Munde und machten sich angsterfüllt aus dem Staub.

 

Text: Herbert Sedlmair