Die Loretokapelle bei Altdorf
Die Loretokapelle bei Altdorf
Engel tragen das Haus der Gottesmutter nach Loreto – Deckenbild (1906).
Engel tragen das Haus der Gottesmutter nach Loreto – Deckenbild (1906).

Im gesamten Voralpenraum gibt es Loretokapellen, die an das Haus der Gottesmutter in Nazareth erinnern. In einer Augsburger Bischofsbeschreibung aus dem Jahr 1910 lesen wir, dass die Loretokapelle bei Altdorf (Gemeinde Biessenhofen) „prall auf den Hügel“ gesetzt ist. Schon von weitem erblickt man diese Kapelle, die hoch über dem Wertachtal und dem Gennachtal steht. Die heutige Bundesstraße B 12 trennt den kleinen Sakralbau vom Ort, der in der Talebene im Norden liegt.
 
Laut einer Legende soll es sich bei der Loretokapelle um das Haus der Heiligen Familie in Nazareth handeln, in dem Maria geboren wurde, in dem ihr der Verkündigungsengel erschien und in dem sie bis zu ihrem Tod lebte. Als das Heilige Land 1291 endgültig verloren war und die Kreuzfahrerstaaten nicht mehr existierten, wurde dieses Haus, so die Legende, 1294 von Engeln zuerst nach Dalmatien und später auf einen Hügel bei Ancona getragen. Ab dem 15. Jahrhundert entwickelte sich schließlich eine rege Wallfahrtstätigkeit, die auch zu zahlreichen Kopien dieses Hauses führte.
 
Die Altdorfer Loretokapelle wurde 1628 von Kaspar von Hohenberg in Auftrag gegeben und gleichzeitig Spenden der Untertanen für den Kapellenbau gesammelt. Die Weihe fand schließlich am 18. Oktober 1631 statt. Anlass für den Kapellenbau war vermutlich die zu dieser Zeit grassierende Pest. Der Pestfriedhof befand sich westlich von der Kapelle und ist im Gelände noch zu erkennen. Die Mesnerstelle wurde 1664 in eine Eremitage umgewandelt, die bis 1789 bestand. 1781 erfolgte eine Reparatur der Kapelle durch den Hofmaurermeister Müller und den Zimmermeister Schreyer aus Altdorf. Etwa zur gleichen Zeit wurde an der Südseite eine Außenkapelle (Annakapelle) angebaut. Die Freikanzel, die für die Predigt vor den zahlreichen Wallfahrern im 18. Jahrhundert Verwendung fand, wurde 1820 abgebrochen.
 
Der fast fensterlose Kirchenraum mit seinem Tonnengewölbe wurde nach dem Vorbild der Santa Casa in Loreto gebaut. Eine bäuerliche Kopie des Gnadenbildes Maria Loreto ist in der Nische an der Ostwand der Kapelle zu sehen. Das große Deckenfresko mit einer Darstellung, wie die Engel die Santa Casa mit Maria und dem Jesuskind nach Loreto tragen, stammt aus dem Jahr 1906, als die Kapelle restauriert wurde.
 
Text und Bilder: Klaus Wankmiller