Die Kapelle Maria Steinach
Die Kapelle Maria Steinach
Die „versteckte Kanzel“ auf der Empore
Die „versteckte Kanzel“ auf der Empore
Altarblatt mit der Heimsuchung Mariens (19. Jahrhundert)
Altarblatt mit der Heimsuchung Mariens (19. Jahrhundert)

Mit der Anlage des Pestfriedhofs bei Roßhaupten war es bald notwendig, ein Gotteshaus für die Beisetzungsfeierlichkeiten der Verstorbenen an Ort und Stelle zu bauen. Eine erste Nachricht findet sich aus dem Jahr 1659: „Am Steinach … stand schon von Alters her ein kleines Oratorium unter dem Titel ‚Visitationis B. Mariae V., welches 1659 ein Ablaß-Breve erhielt.“ Vermutlich stand an diesem Ort bereits ein Bildstock, der 1650 durch eine Kapelle ersetzt wurde, die Matheis Holl aus Roßhaupten errichtete.
 
Rätsel gibt der Name Maria Steinach auf. Angeblich hieß die dortige Flur ehemals Steinbach, womit das Rinnsal in der Nähe der Kapelle als namengebendes Gewässer gemeint sein könnte. Bereits 1689 erlangte die Gemeinde vom Bischof die Erlaubnis, an dessen Stelle eine größere Kapelle bauen zu dürfen. Der Bau kam aber damals nicht zu Stande. Leider ist der Name des Ehepaares nicht überliefert, das 1703 die beachtliche Summe von 400 Gulden bereit stellte, und damit den Bau des Gotteshauses ermöglichte. Die Pläne für den heutigen Bau lieferte vermutlich Johann Jakob Herkomer. Die Kapelle Maria Steinach hat die typischen im Halbkreis dreigeteilten Thermenfenster, die ein Markenzeichen Herkomers sind. Sie wurde vom Maurermeister Joseph Miller aus Rettenbach 1706 ausgeführt, der auch bei anderen Bauwerken mit Herkomer zusammenarbeitet hat. Davon berichtet eine Steintafel über dem Haupteingang: „MARIA HEIMSUCHUNG / ERBAUT 1706.“ Die Weihe des Gotteshauses fand 1714 unter dem Augsburger Weihbischof Kasimir Röls statt. Das Altarblatt mit einer Darstellung der Heimsuchung Mariens stammt aus dem 19. Jahrhundert.
 
Maria Steinach war ein beliebter Wallfahrtsort und birgt eine Besonderheit. Auf der Empore im Inneren der Kapelle ist in der Mitte die Außenmauer sehr dünn. Das Fenster darüber lässt sich öffnen. Von dieser „versteckten Kanzel“ aus konnte der Priester auf die Wallfahrer von oben herunter predigen, wenn so viele Menschen kamen, dass sie in der Kapelle keinen Platz mehr fanden. Die Wallfahrt zu dieser Kapelle hat seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert jedoch stark abgenommen. Am Dienstag vor dem Fest Christi Himmelfahrt ziehen aber auch heute noch viele Menschen in einem Bittgang zu diesem Gotteshaus, um dort in einem Festgottesdienst um Schutz und Segen für die heimischen Felder und Fluren zu bitten.
 
Text und Bilder: Klaus Wankmiller