Im Hopfensee lebte einst das Fischmännle
Im Hopfensee lebte einst das Fischmännle

In der Einöde Schraden in der Gemeinde Hopferau gebar einmal eine Bäuerin Drillinge. Bald nach der Geburt öffnete sich die Tür und ein junger Wandersmann trat herein. Obwohl es ein sehr trockener, sonniger Tag war, tropfte der Kittel des Mannes vor Nässe. Nachdem der Unbekannte wortlos die Drillinge begutachtet hatte, verschwand er wieder.

 

Acht Tage später, als die Mutter am Abend zu ihren Kindern schauen wollte, waren diese spurlos verschwunden. Nur eine große Wasserpfütze war vor jeder Wiege auszumachen. Tagelang suchten die Nachbarn nach den Vermissten. Erst einige Tage später entdeckte man am Ufer des Hopfensees die fein säuberlich zusammengelegten Windeln der Drillinge. Jetzt war es klar, dass das so genannte Fischmännle der Kinderdieb war. Die Jungen mussten fortan ihrem Herrn in der Tiefe des Sees dienen. An stillen Abenden konnte man immer wieder die Rufe der Buben hören, die zurück zu ihrer Mutter wollten. Die Wasserflecken am Boden vor den Wiegen trockneten nie mehr aus.

 

Bis 1840 erinnerte ein Bildstock mit einer Darstellung der drei leeren Wiegen an diese traurige Begebenheit.

 

Text und Bild: Klaus Wankmiller