Birnbaumer Filz bei Trauchgau. Bild: Günter Riegel.
Birnbaumer Filz bei Trauchgau. Bild: Günter Riegel

Die Moore im Ostallgäu zählen zu den wichtigsten Moorlandschaften in Mitteleuropa. Das Allgäuer Klima bietet mit vergleichsweise hohen Niederschlägen optimale Voraussetzungen für die Moorentwicklung.  Deshalb finden sich hier außergewöhnlich viele Moore. Zu den bedeutendsten Mooren im Ostallgäu gehören die Bannwaldsee-Moore bei Schwangau, das Elbseegebiet bei Aitrang sowie die Moore um Seeg.

 

Den Anfang machten vor mehr als 12.000 Jahren riesige Gletscher. Diese schürften große Becken aus, in denen sich Seen bildeten. Einige dieser Seen verlandeten im Laufe der Zeit – sie wuchsen also langsam mit Pflanzen zu. Abgestorbene Pflanzenreste sanken zum Boden und konnten im Wasser wegen Sauerstoffmangel nicht richtig zersetzt werden. Der fürs Moor so typische Torf entstand. Im Lauf von Jahrtausenden wurde die Wassertiefe immer mehr verringert und die Torfbildung nahm zu. So entwickelten sich sogenannte Nieder- oder Verlandungsmoore. Aus einem Niedermoor kann sich ein Hochmoor entwickeln. Das geschieht, wenn die Torfschichten in einem Moor so mächtig geworden sind, dass das Grundwasser nicht mehr ausreicht um das Moor mit Wasser zu versorgen. Hochmoore oder Regenmoore erhalten ihr Wasser – wie der Name schon sagt – ausschließlich durch den Regen.


Die Allgäuer Moore sind für mehr als 100 bundesweit stark gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Tier‐ und Pflanzenarten wichtige Lebensräume. Hierzu gehören auch einige gefährdete Insektenarten, wie der Hochmoor-Bläuling, ein Schmetterling mit schillernd blauen Flügeln. Auch Reptilien wie die Kreuzotter fühlen sich in den Allgäuer Mooren wohl. Die wichtigsten Pflanzen in einem Hochmoor sind die Torfmoose. Diese speichern große Mengen an Wasser. Die Torfmoose sind für das Wachstum des Torfs verantwortlich. Auch Bäume wie die Spirke (= Moorkiefer) findet man hier. Eine besondere Pflanze, welche in den Allgäuer Hochmooren gedeiht, ist der Sonnentau. Im Hochmoor herrschen (aufgrund von Nährstoffmangel) erschwerte Bedingungen für Pflanzen. Deshalb hat sich diese Pflanze eine besondere Überlebensstrategie ausgedacht: sie fängt mit ihren klebrigen Tentakeln Fliegen und verdaut diese dann mit einem besonderen Sekret. Ein echter Fleischfresser also.

Bilder von Kreuzotter, Hochmoor-Bläuling und Sonnentau findet Ihr in der Bildergalerie rechts.

 

Auch für den Menschen sind die Moore von großem Nutzen. Moore nehmen große Mengen an Regenwasser auf und geben dieses verzögert an die Bäche und Flüsse ab. Sie  sind daher wichtig für den Hochwasserrückhalt. Auch zum Klimaschutz leisten Moore einen wichtigen Beitrag. Sie binden Kohlenstoff und verhindern damit die Freisetzung von CO₂(Kohlendioxid) - einem Gas, das zur Klimaerwärmung beiträgt.

 

Leider erkannte der Mensch jahrhundertelang den Wert des Lebensraums „Moor“ nicht. Moore wurden als Ödland von geringem Nutzen angesehen. Als nützlich für den Menschen schien nur der Torf, der sich als Brennstoff eignet. Viele Bauern waren auf den Torf als Heizmittel angewiesen, weil Holz zu wertvoll und knapp war. Bis in die 60er-Jahre wurde Torf zu diesem Zweck abgebaut. Dazu mussten die Moore zuerst mit Hilfe von Entwässerungsgräben ausgetrocknet werden. Danach wurden mit dem Spaten gleichgroße, ziegelförmige Stücke, sogenannte „Wasen“, aus dem Torf gestochen. Die Wasen wurden gestapelt, getrocknet und zum Heizen benutzt. Die Folgen für den Naturhaushalt der Moore sind enorm: In über 90 % der Allgäuer Moore ist der Wasserhaushalt geschädigt. Um diese Schäden zu beheben, gibt es die Allgäuer Moorallianz (s. rechts).
 

Text und Bilder: Allgäuer Moorallianz

Bildergalerie

Moorallianz

Um die geschädigten Moorlebensräume wieder zu beleben, läuft im Allgäu das Naturschutzgroßprojekt Allgäuer Moorallianz. Mehr unter www.moorallianz.de.